Ich hatte mal wieder die Ehre, ein Musikvideo zu schneiden, das Samuel Becker gefilmt hat. Diesmal für den sehr talentieren Fabian Haupt.

Erstmal, hier das Video!

Zufriedener könnte ich mit dem Endergebnis nicht sein. Ich hatte viel Freiheit bei der Gestaltung des Videos, deshalb halte ich es für eine gute Idee, meinen Workflow dafür zu teilen. Hier erstmal die Infos für dieses Exemplar:

Ich hatte sieben vollständige und zwei abgebrochene Takes. Jeder beinhaltet drei Kameras. Das entspricht über einer Stunde Rohmaterial, woraus das endgültige 3:30min Video zusammengestellt wurde. Wichtig: Abgebrochene Aufnahmen müssen nicht zwangsläufig Outtakes sein und können durchaus Teil des Endprodukts werden (hier war das der Fall).

Und so habe ich gearbeitet.

1. Organisation

Zuerst habe ich die einzelnen Takes synchronisiert; dann habe ich sie in einer Multicam-Sequenz geschnitten, als wären sie eigenständige Videos. Dann habe ich mir sie alle noch mal gründlich angesehen und mit Markern bewertet (und zuletzt hierarchisch sortiert) und mich für eine Master-Aufnahme entschieden – das ist die, die sich am ehesten eigenständig zeigen ließe. Dann habe ich Gold-Momente aus allen Takes herausgesucht – das sind die Stellen, die ich unbedingt im fertigen Video haben möchte. Die gelben Marker sind über den Stellen, die ich für Gold halte:

Wie man sieht, sind vier dieser goldenen Momente an gleicher Stelle, deshalb musste ich sie gegeneinander antreten lassen und sorgfältig entscheiden, was ich im Endprodukt haben möchte. Am Ende wurde es ein Mix aus all diesen, also ist es gar kein Problem, wenn Gold sich überschneidet! Wie im Endprodukt zu sehen ist, ist das Highlight also die letzte Mini-Klavier-Einlage (Video startet an entsprechender Stelle):

Da es für den Großteil des Videos keine Goldmomente gab, habe ich Silbermomente herausgesucht und hatte somit am Ende genug, um das fertige Video zusammenzubasteln.

Das meiste, was bis hierhin geschah, war organisatorisch. Ich bin fest überzeugt, man könne niemals überorganisieren. Je präziser man sich mit dem Rohmaterial beschäftigt, desto mehr versteht man, womit man es zu tun hat und desto einfacher (und vor allem spaßiger) wird es, den Film am Ende zu schneiden.

Mit dem Schnitt eines Musikvideos kann man erst fertig sein, wenn der Text auswendig sitzt. Meine persönliche Faustregel!

2. Schnitt

Da ich mich mit dem Material nun sorgfältig auseinandergesetzt habe, fällt es nicht schwer, den finalen Schnitt anzugehen. Alles, was vorher an unbeliebter Organisation draufging, kommt jetzt als Belohnung zurück. Die Belohnung: Spaß. Wenn der vorhanden ist, kann nichts mehr schiefgehen.

Beim Schnitt habe ich den Fokus viel mehr auf Rhythmus gesetzt als auf technische Aspekte. Das Video hat unscharfe Stellen, aber ich denke nicht, dass sie das Gesamtbild trügen.

So sieht die finale Timeline aus:

Die unterste Videospur (V1) ist die Masterspur, die ich zu Beginn gewählt habe. Alles darüber sind größtenteils die ausgewählten Gold- und Silbermomente.

3. Farbe

Die Farbkorrektur geschah ausschließlich in Premiere Pro. Ich habe mich passend zum Song für einen wärmeren Look entschieden. Dazu habe ich jeden Shot einzeln bearbeitet (wie es sich gehört) und zuletzt noch allen Shots mit einer Einstellungsebene den finalen Look verpasst, dazu kam noch ein leichtes Bildrauschen von FilmConvert.

Ich hoffe, ich konnte einen guten Einblick darin verschaffen, wie ich den Schnitt eines Musikvideos mit mehreren, ähnlichen Takes angehe. Es muss nicht der beste Weg sein, doch für mich hat er sich bewährt.

Wenn Sie ebenfalls ein Projekt haben, das Sie selbst gefilmt haben aber nicht selber schneiden wollen, oder Sie keine Lust haben, das Rohmaterial zu sortieren, synchronisieren und vorzubereiten, melden Sie sich gern bei mir! Ich bin per Email schnellstens erreichbar und antworte in der Regel noch am selben Tag. Mein genaues Angebot können Sie hier einsehen.

EDIT 21.11.2017:

Ich habe noch ein Musikvideo für Fabian geschnitten. Diesmal trägt es den Namen „Heute Wie Gestern“: